Veröffentlicht am 17. Jänner 2026 · Patrick Roith
UX-Probleme erkennen: Worauf Sie achten sollten
Die wenigsten Unternehmen haben ein eigenes UX-Team, das Nutzerprobleme systematisch aufspürt. Trotzdem lassen sich UX-Probleme erkennen, auch ohne Fachabteilung, wenn man weiß, worauf man achten muss. Die Signale sind meist schon da, versteckt in Zahlen, die ohnehin erfasst werden, und in Rückmeldungen, die täglich hereinkommen. Es braucht dafür kein neues Werkzeug, sondern vor allem den Blick auf die richtigen Stellen.
Warum UX-Probleme oft unbemerkt bleiben
Ein technischer Fehler meldet sich von selbst: Die Seite stürzt ab, ein Formular lässt sich nicht abschicken, jemand schreibt eine Beschwerde, und die Ursache lässt sich meist schnell benennen. Ein UX-Problem verhält sich anders. Niemand ruft an, um zu sagen, dass die Navigation verwirrend ist. Stattdessen klicken Besucher:innen einfach weiter zu einem Mitbewerber, ohne dass irgendwo eine Fehlermeldung erscheint.
Genau das macht UX-Probleme so schwer greifbar. Sie zeigen sich nicht als Ausfall, sondern als leiser Rückgang: weniger Anfragen, kürzere Verweildauer, mehr Absprünge, ohne dass ein einzelnes Ereignis den Grund benennt.
Ein Beispiel macht den Unterschied deutlich: Eine Kontaktseite, auf der das Formular technisch einwandfrei funktioniert, aber weit unten auf einer langen Seite versteckt liegt, taucht in keiner Fehlerstatistik auf. Sie wird schlicht seltener genutzt, als es das eigentliche Interesse hergeben würde, und das fällt nur auf, wenn jemand gezielt danach sucht. Bis dahin wirkt auf den ersten Blick alles normal, während im Hintergrund bereits Anfragen verloren gehen.
Besonders deutlich wird das bei wiederkehrenden Kund:innen. Wer eine Website schon kennt und trotzdem jedes Mal denselben Umweg nehmen muss, gewöhnt sich daran, ohne es bewusst zu bemerken, wechselt aber bei der nächsten passenden Gelegenheit trotzdem zu einer Alternative, die weniger Aufwand verspricht.
Die wichtigsten Signale für UX-Probleme
- Hohe Absprungrate auf zentralen Seiten. Wenn Besucher:innen eine Seite innerhalb weniger Sekunden wieder verlassen, ohne zu scrollen oder zu klicken, deutet das meist auf ein Problem mit Inhalt, Struktur oder Ladezeit hin.
- Wiederkehrende Rückfragen beim Support. Wenn mehrere Personen dieselbe Frage stellen, etwa wo sie ein Formular finden oder wie ein Preis zustande kommt, ist das eine Information, die eigentlich auf der Website selbst hätte beantwortet werden sollen. Jede dieser Anfragen kostet zusätzlich Zeit, die im Tagesgeschäft an anderer Stelle fehlt.
- Abgebrochene Formulare. Prüfen Sie, ob Besucher:innen ein Kontakt- oder Bestellformular öffnen, es aber nicht abschicken. Das ist eines der deutlichsten Signale, weil hier bereits echtes Interesse bestand, das an einer konkreten Stelle im Formular verloren gegangen ist.
- Kurze Verweildauer trotz vieler Aufrufe. Eine Seite, die viele Besucher:innen anzieht, aber kaum jemand länger nutzt, liefert vermutlich nicht das, was die Leute erwartet haben, als sie geklickt haben.
- Starke Nutzung der internen Suche, falls Ihre Website eine hat. Wenn viele Besucher:innen direkt zur Suchfunktion greifen, statt über die Navigation zum Ziel zu kommen, ist die Struktur der Seite vermutlich nicht selbsterklärend genug.
Einzeln betrachtet ist keines dieser Signale ein Beweis. In Kombination ergeben sie aber ein klares Bild: eine Produktseite mit überdurchschnittlich vielen Aufrufen, aber ungewöhnlich hoher Absprungrate, dazu Support-Anfragen, die sich genau auf diese Seite beziehen. Für sich genommen wäre jede dieser Beobachtungen unauffällig. Zusammen zeigen sie ziemlich genau, wo das eigentliche Problem liegt.
So werten Sie diese Signale ohne eigenes UX-Team aus
Für die meisten dieser Signale braucht es kein aufwendiges Tracking-Setup und keine externe Beratung, um erste Antworten zu bekommen.
- Google Analytics und Search Console nutzen. Beide Tools sind kostenlos und zeigen bereits Absprungrate, Verweildauer und die Suchbegriffe, über die Besucher:innen auf die Seite kommen. Ein Blick auf die Ausstiegsseiten zeigt zusätzlich, an welcher Stelle im Ablauf Besucher:innen typischerweise abspringen.
- Das Support-Team direkt fragen. Wer täglich mit Kund:innen spricht, kennt die immer gleichen Rückfragen oft besser als jede Statistik. Fragen Sie gezielt nach den drei häufigsten Anliegen der letzten Wochen, nicht nur allgemein nach Feedback.
- Eine Person live zusehen lassen. Bitten Sie jemanden, der die Website noch nicht kennt, live eine bestimmte Aufgabe zu erledigen, etwa ein Angebot anzufragen, und schauen Sie dabei einfach zu, ohne zu helfen. Wo diese Person zögert oder nachfragt, liegt meist genau das UX-Problem.
- Regelmäßig wiederholen. Ein einmaliger Blick reicht nicht. Prüfen Sie diese Signale in festen Abständen, etwa vierteljährlich, damit sich Verschlechterungen früh zeigen, bevor sie sich in den Anfragezahlen bemerkbar machen.
Sollten Sie noch kein Analytics-Tool eingerichtet haben, ist das selbst bereits ein erstes Signal: Ohne diese Daten fehlt die Grundlage, um Entscheidungen über die eigene Website auf mehr als Bauchgefühl zu stützen.
Wenn sich in einem dieser Punkte etwas wiederfindet, das Ihnen bekannt vorkommt, lohnt sich ein genauerer Blick, auch ohne dass gleich ein großes Redesign folgen muss. Wir helfen Unternehmen dabei, aus diesen Signalen konkrete Verbesserungen zu machen, von der ersten Einschätzung bis zur Umsetzung.
Projekt anfragenEinen Überblick über unser Leistungsangebot finden Sie im Abschnitt Leistungen auf der Startseite. Passend dazu: Website veraltet: Was tun? und Conversion Rate durch UX steigern.